.. von Häppchen und Hass – Das waren die 29. Medientage München

Es ist schon ein komisches Gefühl, als frisch immatrikulierter Medienstudent zum ersten Mal den Hörsaal zu verlassen und in das Tagesegeschäft all derer einzutauchen, die sich irgendwann einmal selbst gesagt haben: „Irgendwas mit Medien.“

copyright: Rocky Sauer

Entsprechend aufgeregt stand ich dann auch da, inmitten einer Vielzahl von Ständen, Bühnen – und Anzugträgern.

Bevor ich mich jedoch ins Getümmel stürzen konnte, galt es erstmal das Motto der diesjährigen Medientage:

Digitale Disruption

zu dechiffrieren.

Das Programmheft gab darüber leider nur wenig Aufschluss, doch dank tatkräftiger Unterstützung der Google-Suchfunktion meines Smartphones war bereits nach wenigen Klicks klar:

Die Medienbranche steht vor einem Umbruch.

Disruption bezeichnet die Verdrängung einer etablierten Technologie oder eines Produktes durch einen meist grundsätzlich neuen Ansatz. Facebook hat durch die Zentralisierung und den Umfang seines Portfolios beispielsweise etwas geschaffen, was dieser Definition sehr nahe kommt.

In Zeiten immer stärker wachsender digitaler Konkurrenz stellen sich nun zunehmend auch die etablierten Chefetagen der Medienbranche die Frage, wie sie ihre Unternehmen für das digitale Zeitalter „Fit“ machen können. Kann sich mein Printprodukt gegen die Inhalte von Online-Plattformen durchsetzen? Und wenn nicht, wie muss ich mein Unternehmen aufstellen um trotzdem konkurrenzfähig bleiben zu können?

Mit dieser Fragestellung ist die Geschichte der Quintessenz dieser Messe auch schon erzählt.

.. nachdem ich mich auf das Thema eingestimmt hatte, war es nun doch noch mal an der Zeit das Programmheft in die Hand zu nehmen. Bei weit über 30 verschiedenen Vorträgen, Diskussionsrunden und Konferenzen musste hart separiert werden.

copyright: Rocky Sauer

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Zugegeben, die Messe an sich, war für einen Branchen-neuling kein guter Ort um sich einen Überblick über den „Krankenstand“ der deutschen Medienlandschaft zu verschaffen. Das mag zum Teil gewiss an fehlendem Fachwisssen meinerseits liegen, ist andererseits jedoch auch dadurch zu begründen dass an den Ständen der einzelnen Aussteller schlichtweg die Expertise fehlte. Gelegentlich waren aussagekräftige Vertreter der einzelnen Unternehmen oder Verbände vor Ort, doch das Gros an Expertise fand sich ein Stockwerk höher wieder, – im separaten Kongress der Messe.

15 Minuten und 30 Euro später befand ich mich dann mit einem weiteren interessierten Kommilitonen „dort oben“ und lauschte der ersten unserer Ansicht nach relevanten Diskussion des Tages.

Die Social Media Experten von „XING“ hatten geladen um gemeinsam mit weiteren Vertretern aus den sozialen Medien die Frage zu erörtern, inwiefern soziale Medien die Zukunft des Journalismus gestalten.

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Mit Produkten wie „XING News“ oder „Twitter Moments“ kreieren die etablierten Online-Plattformen bereits erste eigene journalistische Produkte. Gemäß dem Wirtschaftsjournalisten Roland Tilchy stellt diese Entwicklung eine „logische Konsequenz der digitalen Transformation“ dar, weshalb es zukünftig die Aufgabe der printfokussierten Verlage sein wird, sich in dieses neue Gefüge zu implementieren.

Der innovative Ansatz trifft die Haltung der Branche.

Bereits nach dieser ersten Diskussion, und dem anschließenden Small Talk bei Häppchen ließ sich die Attitüde der Anwesenden deutlich skizzieren: „Social Networks represent the digital reflection of what humans do: we connect and share“. Unter einvernehmlichen Kopfnicken aller Beteiligten wurde dort im elitären Rahmen der US-Amerikanische Analyst Jeremiah Owyang zitiert.

Das „sharen“ von Information war dann auch Schwerpunkt der nächsten Diskussionsrunde.

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copyright: Rocky Sauer

Der Bayerische Rundfunk hatte geladen, um mit Vertretern aus Online-/ und Fernsehjournalismus die Frage zu erörtern: „Wer bestimmt heute die Themen in den Medien?“. Besonders heraus sticht während der Debatte die Chefredakteurin der Onlineplattform „Buzzfeed“, Juliane Leopold.

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quelle: flickr.com

Ihrer Meinung zufolge ist die Interaktion zwischen Sender und Rezipienten ein zentrales Merkmal des Zukunftsjournalismus. Sie selbst pflege „engen Kontakt“ zu ihren Lesern, stelle jedoch eine vermehrte Verrohung der Leserschaft im Allgemeinen fest. Die genannte Verrohung ist im Folgendem auch zentraler Aspekt der Diskussion.

So lässt Dr. Kai Gniffke, Chefredakteur ARD Aktuell, verlauten: „Wenn etwas gut ist, dann wird es nicht kommentiert. Es wird nicht honoriert. Kund getan, wird meist Kritik“. Diese Aussage trifft auf breite Zustimmung im Panel. Von „Lügenpresse“ und dadurch einhergehender „Online-Hetze“ ist oftmals die Rede, wenn ein Produkt politische Inhalte thematisiert.

Doch wie können wir das Vertrauen in die massenmediale Berichterstattung zurückgewinnen?

Auf diese Frage blieben auch die Experten auf der Bühne eine klare Antwort schuldig. Für die Zukunft wünscht sich Dr. Kai Gniffke immerhin „mehr Vertrauen in die moralischen und ethischen Grundsätze des Journalismus.“ Gelingt es den öffentlich-rechtlichen Sendern dieses Vertrauen zu etablieren, dann habe man auch „eine Zukunft, auf welcher Plattform auch immer“.

Viele derer Plattformen, auf welchen sich ein öffentlich-rechtlicher Sender der Couture ARD gerne etablieren würde, lassen sich unter dem Begriff „Social Networks“ zusammenfassen.

Im dritten – und für mich letzten – Panel des Tages, standen genau diese im Fokus.

„Social Networks als Geschäftsgrundlage?“

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copyright: Rocky Sauer

Zu diesem Thema interviewt wurde mit Jens Uwe Bornemann ein „seiner Zeit Vorausdenker“ (Aussage des Moderators Daniel Budiman). Der Bertelsmann-Verlag preist Bornemann als einen Menschen an, der „digitale Trends aufspürt, bevor andere daran denken“.

– Gemäß diesem Credo ließ sich Bornemann auch nicht lange um große Thesen bitten:

„Es wird ein Marktumbruch folgen. Jeder, der seine Ausrichtung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in den digitalen Markt verlagert hat, wird in 2 Jahren vom Markt verschwunden sein.“

Harsche Worte, die meinen medialen Wissenshorizont zum aktuellen Zeitpunkt jedoch zugegebenermaßen überschreiten. So lausche ich zwar bedächtig weiter den Ausführungen der Protagonisten, stelle jedoch mehr und mehr fest, dass der Input an neuem Wissen meinem Fassungsvermögen für einen Tag genüge getan hat.

Und so endet für mich der informative Part der 29. Medientage München.

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quelle: medientage.de

Was folgt, sind mehr oder weniger gute Drinks in einer Welt, in der ich erstmal ankommen muss.

Abschließend unterhalte ich mich mit einem Kommilitonen der Uni, der derzeit an seiner Master-arbeit schreibt.

Er sagt: „Du musst das alles nicht verstehen. Du musst nur den Willen haben, hier ein ein paar Jahren auch im Anzug zu stehen. – mehr, wollten die hier anfangs auch nicht.“

Amen.

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