„Die Leute lachen – doch die Presse schreibt nur Scheiße“

In meiner neuen Interviewreihe „Auf ein Bier mit:“ unterhalte ich mich mit populären Menschen verschiedenster Herkunft, gesellschaftlichem Stand und persönlichen Zielen.

Niemals wirklich über das was sie wollen, dafür öfter über das, was sie eigentlich interessiert.

Den Anfang macht der wohl bekannteste „Ausbilder“ der Bundeswehr. Holger Müller, vielen besser bekannt unter seinem Künstlernamen: Ausbilder Schmidt.

ausbilderschmidt

Holger. Lassen wir die Beweihräucherung deiner monopolistischen Rolle als militäraffinen Ausbilder mal kurz außen vor und betrachten die Kehrseite deines Pseudonyms. Steckst du für diese Rolle viel Kritik ein?

Ja natürlich, Ausbilder Schmidt hat ja schließlich schon immer stark polarisiert. Comedy muss aber auch polarisieren. Und wenn du polarisierst, erntest du immer Kritik. Ich geb ja auch Workshops für junge Profis und da sage ich von vornherein ganz klar, wenn du mit Kritik nicht klar kommst, dann bist du hier falsch. Oftmals ist es auch so dass die Leute die vor dir sitzen lachen, doch in der Presse steht nur scheiße. Das musst du einfach aushalten.

Die Kritik an der Bundeswehr ist bedingt durch die Einsätze in den letzten Jahren ja stetig gewachsen. Hat sich das auch auf deine Figur ausgewirkt?

Ich glaube die Kritik an der Bundeswehr war in den frühen 90ern, als ich gedient habe, fast sogar noch größer. Stichwort: Aktive Friedensbewegung. Ich würde fast sagen im Laufe der Jahre haben viele Leute damit begonnen die Leistung der Bundeswehr anzuerkennen. Insbesondere durch eure Einsätze im Kosovo und in Afghanistan. Aber unabhängig davon, gibt es natürlich immer Kritik an Figuren die sich mit dem Militär befassen. Bei mir persönlich ist es aber so, dass die Medienpräsenz in den letzten Jahren auch nachgelassen hat. Dementsprechend lässt auch die Kritik nach.

Apropos Medienpräsenz. Wie kommst du damit klar, dass du keine Prime Time Comedy mehr machst?

Ich habe über 500 Folgen Radio gemacht und war eigentlich überall wo man als Comedian überhaupt sein kann. Irgendwann is so ne Figur eben auch mal medial verbrannt. Klar, man tritt noch hier und da im dritten Programm auf, aber ich persönlich sage auch: Gottseidank! Ich hab das alles gehabt, konnte viele wertvolle Erfahrungen sammeln, doch kann mich nun auch vollkommen auf meine Bühne in Ostfriesland und meine Tourneen konzentrieren.

kleinkunstbühne

Holgers Kleinkunstbühne in Pilsum, Ostfriesland.

Ich habe im Laufe der Jahre auch gemerkt, dass ich über das Medium Bühne besser überzeugen kann, als übers Fernsehen. Im Fernsehen bist du mal so 5 Minuten, 10 Minuten, da hast du immer nen Redakteur, der das alles dann zusammenschneidet und du dich fragst: Was soll das? Wo sind die ganzen Gags hin? Was ich damit sagen will ist, Fernsehen war für mich immer ein sehr anstrengendes Geschäft. Ich hab das 15 Jahre mit viel Spaß an der Sache gemacht, doch jetzt freue ich mich auch darauf, den Fokus wieder mehr auf die Tour zu legen, Leute zu treffen und ne direkte Resonanz auf meine Arbeit zu bekommen.

Gibt´s aus deiner Vergangenheit einen Comedian mit dem du mal wieder zusammenarbeiten willst, oder irgend einen Neuling in der Szene mit dem du gerne mal arbeiten würdest?

Also ich bin durch meine Kleinkunstbühne, und der Stehzeit in der Szene schon gut vernetzt. Ich schreibe auch viel für andere Künstler, mache Coachings, bin aber was öffentliche Projekte anbelangt eher doch der Einzelkämpfer, wie man bei euch so schön sagt. Es gab zu Halloween letztes Jahr so ein Projekt mit Heinz Gröning und Horst Fryguth, das hat auch richtig Spaß gemacht aber die maskuline Figur des Ausbilders lässt normalerweise nur wenig Platz für Nebenbuhler.

„Schlechten Menschen geht es immer gut“ heißt dein aktuelles Programm. Es ist bedingt durch deine Historie schon klar welche Zielgruppe du damit erreichen willst, aber was für eine Message willst du den militäraffinen Menschen unseres Landes dadurch vermitteln?

Also zu aller erst: All meine Stand Up´s sind Comedy. Und Comedy hat ja eigentlich immer eher wenig Message. Comedy bedeutet hab Spaß, schalt den Kopf aus, lach ganz viel und geh raus und denk, wow – cooler Abend! Holger Müller hat wie du vorhin gemerkt hast auch viel zu sagen, doch Ausbilder Schmidt, hat zumindest politisch, nicht viel zu sagen. Ich will durch diese Rolle Leute unterhalten. Schlechten Menschen geht es immer gut ist dabei einfach nur ein Aufhänger. Ausbilder Schmidt ist ja auf den ersten Blick auch selber ein eher schlechter Mensch, deshalb bot sich der Name an.

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Für alle die sich gerade fragen: „wer ist dieser Holger Müller?“

Glaubt der Mensch Holger Müller bei all den „schlechten Menschen“ die uns aktuell auch in Deutschland umgeben noch ans Gute im Menschen?

Auf jeden Fall. Letztendlich wird immer das Gute siegen, denn sonst gäbe es den Menschen ja auch nicht mehr. Es sind schwierige Zeiten, weltweit, von denen auch wir Europäer jetzt erstmalig einen Geschmack bekommen. In anderen Ländern sieht das schon seit Jahrzenten anders aus, das habe ich gemerkt als ich beispielsweise in Kundus war. Ich dachte mir: was ist das für ein unfassbar schönes Land. Du könntest da eine riesengroße Tourismus-branche aufbauen, den Leuten eine Perspektive bieten, aber das Land hat einfach nicht die Chance dazu das zu nutzen. Da ist Krieg, und da war schon immer Krieg. Doch irgendwann ist dieses Land hoffentlich auch mal befriedet, irgendwann wirst du hoffentlich auch dort mal ne Generation haben die sich selber sagt: nein, lass es uns anders machen.

Dein Programm läuft bald aus. Wie geht es dann weiter mit der Figur Ausbilder Schmidt?

Also ich spiele jetzt noch ein paar Shows in Berlin, und dann kommt ja auch wieder der Karneval. Da werde ich Teile des Programms nochmal spielen, doch anschließend laufen auch schon die ersten Proben für das neue Programm „Weltfrieden – Notfalls mit Gewalt“. Gewalt ist natürlich vor allem heutzutage ein schwieriger Begriff, und ein noch schwierigeres Thema, doch der Ausbilder meint es ja im Grunde immer gut mit den Menschen, auf die er mit dem Finger zeigt. Das Programm wird sich stilistisch nicht groß von den anderen Unterscheiden, doch diesmal liegt der Schwerpunkt nicht auf den schlechten Menschen, sondern eher auf denjenigen die denken dass Sie mit ihren Blümchen und mit ihren Sandalen wirklich etwas verändern können..

Ein Schelm, wer dabei Böses denkt..

[Eine umfassendere Version dieses Interviews erscheint in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift des Studentischen Konvents der Universität der Bundeswehr]

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