Mein Leben als Student an einer Bundeswehr-Uni

Der gemeine Student hat es schon nicht leicht. Er ist abwechselnd gelangweilt und überfordert, betrunken und verkatert – und meist hochgradig pleite.

Heute (wir schreiben den 04.05.) werden die meisten Betroffenen noch über diese Pauschalisierung lachen können, doch erfahrungsgemäß sieht das in drei Wochen schon ganz anders aus.

Bis das (finanziell) schmerzhafte Ende des Monats bevorsteht wird die Zeit für euch die ihr euch angesprochen fühlt aber um einiges lebenswerter sein als das, was der Ottonormalbürger so unter „Leben als Mittzwanziger“ versteht.

Ihr könnt rumrennen wie ihr wollt, vor euren Eltern mit Fachbegriffen um euch schmeißen, braucht keinen Krankenschein falls ihr morgens um 12 noch nicht wieder gerade aus gucken könnt, und das Beste: niemand erwartet von euch dass ihr während eurer Studienzeit sesshaft werdet.

Viele meiner Freunde studier(t)en in Regensburg, Dresden oder Berlin und zelebrierten diesen Lebensstil auf eine Art und Weise, die für mich jahrelang den Himmel auf Erden darstellte.

Ich hatte damals als „normaler“ Soldat meinen geregelten Tagesablauf und nach ein paar Wochen der Abstinenz auch immer die Möglichkeit mal ein langes Wochenende anzusetzen.

An diesen langen Wochenenden hat es mich meist entweder zu Blasi nach Regensburg oder Plummi nach Berlin verschlagen. Während man in der Berliner Studentenszene so ein bisschen seine revolutionäre Ader ausleben konnte und sich bei irgendwelchen Demos in Kreuzberg getroffen hat..

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.. waren wir in Ratisbona meist bei irgendwelchen Hippie-Partys im legendären „Gesslerheim“ zu Gast und bewegten uns in Kreisen, in denen sich auch etablierte Rockstars merklich wohlfühlten.

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Auf ein Donaubierchen mit: Yannis Philippakis, FOALS

Seit letztem Jahr nun gehöre ich selber zu denen, von denen niemand mehr erwartet in den nächsten Jahren sesshaft zu werden.

Ich studiere „irgendwas mit Medien“ an der Universität der Bundeswehr in München.

Vieles hier bei uns auf dem Campus erinnert mich doch sehr an die Zeit die ich als Gast an zivilen Universitäten verbracht habe.

Die Wohnheime zum Beispiel. Wir leben hier größtenteils ziemlich entspannt auf 15-20 m² großen Einzelbuden, haben unser eigenes Bad und große, sog. „Wohnebenen“ auf denen sich neben den obligatorischen Küchen und so einer Art Wohnzimmer mit überdimensionalen Sofas auch das eigentliche soziale Leben abspielt. Hier trinkt man Abends sein Bier, zockt, oder zieht sich gemeinsam die neue Folge vom Bachelor rein.

Das Selbstverständnis als Student ist ein weiteres Beispiel dafür, dass auch wir im Grunde nur ganz normale Studenten sind.

Wir feiern WG-Partys..

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Wir verpassen Vorlesungen..

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Morgens um halb drölf in Deutschland

Und wir hängen uns auch wieder Poster an die Wand..

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😉

.. All diese Annehmlichkeiten, die Freiheiten und die kurzen Wege auf dem Campus machen das Studium an der Universität der Bundeswehr in München doch schon irgendwie erträglich.

Wie grundsätzlich alles im Leben hat aber auch diese Medaille seine zwei Seiten.

Im Kontrast dazu steht das Trimesterstudium, diverse militärische Verpflichtungen und in letzter Instanz auch der Dienstgrad auf der Schulter.

Auf gut Deutsch heißt das:

Soviel Student wir auch sein mögen, erstmal sind wir alle Soldat.

.. Und so findet man sich auch als von Leistungsdruck geplagter Student regelmäßig in irgendwelchen militärischen Pflichtveranstaltungen, bei Schießübungen oder Leistungsmärschen wieder.

Viele zerbrechen daran.

Über 1/3 aller Studenten brechen das Studium vorzeitig ab oder werden exmatrikuliert. Für fast alle Kommilitonen hat dies zur Konsequenz, dass neben den Annehmlichkeiten des Studentenlebens auch die geplante Karriere als Offizier an diesem Punkt sein Ende findet.

Für einige wenige Kameraden ist dies regelmäßig Anlass genug, um sich das Leben zu nehmen.

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Aus Respekt vor den betroffenen Kameraden und ihren Hinterbliebenen möchte ich dieses dunkle Kapitel unserer Universitätsgeschichte auf dieser Plattform nicht weiter breit treten, doch wenn gestandene Männer die durch ihre militärische Ausbildung große Entbehrungen gewohnt sind aufgrund des hier herrschenden Leistungsdrucks keinen anderen Ausweg als den Suizid finden, dann darf man dies bei einem Artikel über die „Uni-Bw“ auch nicht einfach außen vor lassen.

Ich bin inzwischen auch alt genug um zu wissen dass es für solche tragischen Schicksale keinen „Schuldigen“ gibt, doch es kotzt mich ungemein an dass junge Menschen, Kameraden, Söhne, Väter und Freunde diesen Weg wählen weil ihnen bedingt durch die drohende Exmatrikulation jegliche Perspektive entzogen wird.

Bevor man sich also als „nicht-Offizier“ in der Truppe über den jungen Oberleutnant lustig macht, oder als ziviler Student über unsere „üppigen Lohnzettel“ lästert sollte man sich selber erst mal die Frage stellen ob man denn schon ein mal 40 ECTS-Punkte in 2 Monaten eingefahren hat. Ob man als junger Mensch jemals der Versuchung dieser Freiheiten ausgesetzt war, oder ob es denn nicht einfach mal besser wäre die Fresse zu halten weil man keine Ahnung hat.

Jeder hat sein eigenes kleines Päckchen zu tragen.
– jeder Student, jeder Soldat, jeder „Zivilist“.

Was uns auf beruflicher Ebene jedoch alle eint, ist das Streben nach höherem. Nach einem höheren Gehalt, höherer beruflicher Anerkennung und höherer gesellschaftlicher Akzeptanz.

Mit diesem Wissen irgendwo im Hinterkopf verpackt, verhalten wir Studenten uns auch nicht anders als jeder Maurer, Maler oder Manager.

Wir stehen morgens auf, und kommen unseren Verpflichtungen nach. Wir tun etwas, um etwas zu bekommen. Wir reizen unsere gegebenen Freiheiten aus – genau wie ihr auch.

Eigentlich sind wir doch alle gleich, oder?

 

 

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Was mir Thees Uhlmann über mich und mein Leben verraten hat.

Prolog

Vor ein paar Jahren war ich mit meinem Kumpel Plummi bei nem Konzert von Noel Gallagher in der Max Schmeling Halle. Für meine Zeit in Berlin war das keine Seltenheit, irgendwo haben wir uns eigentlich immer rumgetrieben.

Meist hat man bei kleineren Konzerten oder in den einschlägigen Clubs der Stadt auch irgendwelche Menschen getroffen, die man außerhalb der Grenzen Berlins wohl ganz gerne als Promis bezeichnet. Arnim von den Beatsteaks wird man beispielsweise bei jedem Konzert von TV On The Radio treffen, mindestens einen der Jungs von K.I.Z. trifft man unabhängig vom Thema grundsätzlich bei jeder Demo auf dem O-Platz und wer das Velvet in Neukölln kennt, der kennt wohl auch MC Bomber (unabhängig davon, ob man seine Musik kennt).

Als ich mich mit Plummi vor dem Gallagher Konzert an der Schönhauser Allee getroffen habe, hatten wir noch genügend Zeit um uns ein Bierchen in ner alten Eckkneipe zu gönnen.

Mit Plummi haben solche Kneipenbesuche immer besonders viel Spaß gemacht denn neben der geteilten Passion für die Musik (ich aus der Sicht des DJ´s, er aus der Sicht des Bassisten einer Stoner Rock Band) hatten wir damals auch oft die gleichen (meist selbstverschuldeten) Probleme mit dem anderen Geschlecht.

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Nach den ersten paar Hülsen die wir uns auf der Terrasse des Cafe Meta in Prenzelberg gegönnt hatten, gesellte sich dann Thees Uhlmann mit seiner Begleitung an unseren Tisch. Ob die anderen alle voll waren oder er unser Gespräch so einladend fand weiß ich nich mehr. Was ich jedoch noch ziemlich genau weiß ist, dass ich auf Thees zu dieser Zeit nur wenig bock hatte.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt zwei Wohnsitze. Zum einen den in Berlin, und dann noch einen in Dresden. Während ich unter der Woche meist in Berlin war und das Leben als „vom militärischen Dienst freigestellter Offizieranwärter“ genoß, hab ich die Wochenenden größtenteils im alternativen Viertel der Landeshauptstadt Sachsen´s verbracht.

Alles was ich während dieser Zeit auf die Reihe bekommen musste war mich auf mein Abi vorzubereiten, und mich währenddessen nich totzusaufen. Beides hatte ich soweit ganz gut im Griff, deshalb konnte ich die großzügige Freizeit auch für allerlei Angelegenheiten nutzen, für die normalerweise nie ausreichend Zeit war. Von ausgedehnten DJ-Tourneen durch halb Deutschland, über halbe Weltreisen, bis hin zur Wiederbelebung meines totgeglaubten Liebeslebens war das rückblickend wohl die größte Freiheit die ich bis dato während meiner Militärdienstzeit verleben durfte.

Das klingt nach nem ziemlich geilen Leben, und das war es auch.

Eines Abends dann in Dresden stand mal wieder ein Auftritt meines DJ-Ego´s „Alexander Supertramp“ im L´Hibou an.

Vor den Gig´s hab ich mich meistens mit dem DJ getroffen der mich immer als „Special Guest“ für seine Partys im L´Hibou gebucht hatte. Genau wie Plummi ist auch Markus ein Mensch mit dem man tagelang in verrauchten Kneipen sitzen und über das Leben philosophieren kann. Insofern ich mich recht entsinne hatten wir das auch dieses Mal getan bevor wir anschließend gemeinsam die Studenten der Stadt zum kollektiven ausflippen animiert haben.

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Am Tag nach diesem Abend (und diesem Bild) erlitt ich den ersten und bis heute einzigen Migräneanfall meines Lebens.

– Mein Schädel hat sich quasi versucht selber zu erschlagen.

Ich frage mich noch immer was während dieser eigentlich so geilen Zeit schief gelaufen sein mag und was schlussendlich dazu geführt hat dass ich mich am nächsten Tag freiwillig selber in die Notaufnahme habe einliefern lassen.

Das Leben so wie ich es damals kannte war gut zu mir, und wie sich herausstellen sollte war auch dieser grässliche Anfall von Migräne nur der Nährboden für eine weiterhin (vermeintlich) rosige Zukunft.

Das Kapitel Nicole

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Ich hatte mich in meine Ärztin verliebt.

In eine unbeschreiblich charismatische und attraktive norddeutsche Frau. Eine von der Sorte bei der man sich als Kerl ernsthaft fragt, wie die eigentlich so schön und intelligent zugleich sein kann.

Mir war bewusst dass ich für ne Neurologin ihrer Klasse jetzt nich so der große Fang bin, doch mit etwas Geduld (und nach der ein oder anderen rhetorischen Perle) hatte ich sie tatsächlich soweit dass sie sich mal mit mir trifft.

Ehrlich gesagt, sie stand sehr auf Casper. Und der hat kurz nach unserem Kennenlernen im Krankenhaus nen kleinen Club-Gig in Dresden gespielt. Nen viertel Monatslohn (scheiß Schwarzmarkt) und drei Telefonate später war das Date dann in trockenen Tüchern.

Wir hatten uns vor dem Konzert kurz im Thalia, ner netten Bar in der Dresdner Neustadt getroffen um erstmal warm zu werden. Nachdem wir ziemlich schnell gemerkt haben dass wir auf ner halbwegs gleichen Welle schwimmen verlief der Rest des Abends dann in etwa so, wie all die darauffolgenden Dates:

Wir waren Fahrrad fahren, Bier trinken, Landschaften erkunden, Hippie-Dinge tun. Wir haben uns geküsst, und ich wusste damals nicht was besser zu meinem Lebensstil hätte passen können als Mademoiselle Nicole.

Genauso gerne wie sie mich mit ihrem Lächeln verzaubert hat, hat sie auch Casper zitiert..

„Mein Kreis bleibt klein, bis an den Tag an dem ich geh´“

Was für Sie der Benjamin aus Bielefeld war, wurde für mich während dieser Zeit mehr und mehr der Thees aus Hemmoor. Ich kannte die Musik von Thees Uhlmann schon länger doch seitdem ich Nicole kennengelernt hatte, war mein Leben eigentlich genau so wie die alte Nordmanntanne es in seinen Liedern immer besungen hatte.

„Meine Hände sind ständig in Bewegung, solang ich denken kann bin ich nervös, das liegt daran dass ich hoffe.. dass dir nichts zustößt..“
– Thees Uhlmann

Unfassbar wie naiv ich war. Naiv zu glauben dass nach dem viel zu heißen Sommer kein kalter Herbst mehr folgen kann. Und so kam es, wie es kommen musste.

„Lieber Dennis, es tut mir leid dass ich mich gestern nicht gemeldet habe. Es war nich geplant, doch ich habe gestern einen alten Freund getroffen. Wir können uns nicht wieder sehen.“

Kapitel 2: Was mir Thees Uhlmann über mich und mein Leben verraten hat.

Zwei Wochen nach dem abrupten Abschied von Nicole saß ich mit Plummi, Thees Uhlmann und seiner Begleitung im Cafe Meta in Prenzelberg. Eigentlich wollte ich mit Plummi ein Bier trinken, über die scheiß Gefühle der letzten Wochen reden, und das Ganze mit einem Konzert des Herzschmerz-spezialisten Noel Gallagher abrunden.

Stattdessen saß ich nun bei Bier Nummer 4 in einer Kneipe und hatte ausgerechnet den Menschen neben mir sitzen der mir den Soundtrack zu einer Zeit geliefert hat, die ich am liebsten für immer und ewig aus meinem Gedächtnis gelöscht hätte.

Ich: „Hey Thees, wann gibts´n eigentlich mal wieder ne neue Platte von dir?“

T: „Naja, erstmal mach ich mein Buch fertig“

I: „Was´n für ein Buch?“

T: „Naja, hoffentlich ein Gutes“

I: „Witzbold. Wusste garnich dass du schreibst.. Um was geht´s denn?“

T: „Naja, grob gesagt um das was man vor dem Tod noch so alles machen will. Irgendwann isses ja auch mal so weit, und wenn man das dann realisiert fängt man schon an sich selber mal Fragen zu stellen. Ob man jetzt alles richtig gemacht hat, oder vor allem: ob man die restliche Zeit so weiter machen will“

Die restliche Zeit so weitermachen?

Ehrlich gesagt hat mich das ein bisschen ins Grübeln gebracht..
Kann denn das Leben nur aus dem bestehen was man gerne macht?

Der reiche Pöbel wird das wahrscheinlich bejahen, doch zu denen die sich über Geld & Liebe keine Gedanken mehr machen müssen gehöre ich nich, und werde ich hoffentlich nie gehören.

Thees hat in einem seiner Lieder mal gesagt: „Das Leben ist wie Feuer, es brennt und es wärmt“.

Ich hab mir den dazugehörigen Song in den darauffolgenden Tagen oft angehört und ich bin heute dankbar dafür, dass damals alles so war – wie es war.

Ohne das Brennen von damals wüsste ich heute nicht, dass man lieber nicht zu nahe an die Flamme geht.

Herdplattentest für Erwachsene.

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„Die Leute lachen – doch die Presse schreibt nur Scheiße“

In meiner neuen Interviewreihe „Auf ein Bier mit:“ unterhalte ich mich mit populären Menschen verschiedenster Herkunft, gesellschaftlichem Stand und persönlichen Zielen.

Niemals wirklich über das was sie wollen, dafür öfter über das, was sie eigentlich interessiert.

Den Anfang macht der wohl bekannteste „Ausbilder“ der Bundeswehr. Holger Müller, vielen besser bekannt unter seinem Künstlernamen: Ausbilder Schmidt.

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Holger. Lassen wir die Beweihräucherung deiner monopolistischen Rolle als militäraffinen Ausbilder mal kurz außen vor und betrachten die Kehrseite deines Pseudonyms. Steckst du für diese Rolle viel Kritik ein?

Ja natürlich, Ausbilder Schmidt hat ja schließlich schon immer stark polarisiert. Comedy muss aber auch polarisieren. Und wenn du polarisierst, erntest du immer Kritik. Ich geb ja auch Workshops für junge Profis und da sage ich von vornherein ganz klar, wenn du mit Kritik nicht klar kommst, dann bist du hier falsch. Oftmals ist es auch so dass die Leute die vor dir sitzen lachen, doch in der Presse steht nur scheiße. Das musst du einfach aushalten.

Die Kritik an der Bundeswehr ist bedingt durch die Einsätze in den letzten Jahren ja stetig gewachsen. Hat sich das auch auf deine Figur ausgewirkt?

Ich glaube die Kritik an der Bundeswehr war in den frühen 90ern, als ich gedient habe, fast sogar noch größer. Stichwort: Aktive Friedensbewegung. Ich würde fast sagen im Laufe der Jahre haben viele Leute damit begonnen die Leistung der Bundeswehr anzuerkennen. Insbesondere durch eure Einsätze im Kosovo und in Afghanistan. Aber unabhängig davon, gibt es natürlich immer Kritik an Figuren die sich mit dem Militär befassen. Bei mir persönlich ist es aber so, dass die Medienpräsenz in den letzten Jahren auch nachgelassen hat. Dementsprechend lässt auch die Kritik nach.

Apropos Medienpräsenz. Wie kommst du damit klar, dass du keine Prime Time Comedy mehr machst?

Ich habe über 500 Folgen Radio gemacht und war eigentlich überall wo man als Comedian überhaupt sein kann. Irgendwann is so ne Figur eben auch mal medial verbrannt. Klar, man tritt noch hier und da im dritten Programm auf, aber ich persönlich sage auch: Gottseidank! Ich hab das alles gehabt, konnte viele wertvolle Erfahrungen sammeln, doch kann mich nun auch vollkommen auf meine Bühne in Ostfriesland und meine Tourneen konzentrieren.

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Holgers Kleinkunstbühne in Pilsum, Ostfriesland.

Ich habe im Laufe der Jahre auch gemerkt, dass ich über das Medium Bühne besser überzeugen kann, als übers Fernsehen. Im Fernsehen bist du mal so 5 Minuten, 10 Minuten, da hast du immer nen Redakteur, der das alles dann zusammenschneidet und du dich fragst: Was soll das? Wo sind die ganzen Gags hin? Was ich damit sagen will ist, Fernsehen war für mich immer ein sehr anstrengendes Geschäft. Ich hab das 15 Jahre mit viel Spaß an der Sache gemacht, doch jetzt freue ich mich auch darauf, den Fokus wieder mehr auf die Tour zu legen, Leute zu treffen und ne direkte Resonanz auf meine Arbeit zu bekommen.

Gibt´s aus deiner Vergangenheit einen Comedian mit dem du mal wieder zusammenarbeiten willst, oder irgend einen Neuling in der Szene mit dem du gerne mal arbeiten würdest?

Also ich bin durch meine Kleinkunstbühne, und der Stehzeit in der Szene schon gut vernetzt. Ich schreibe auch viel für andere Künstler, mache Coachings, bin aber was öffentliche Projekte anbelangt eher doch der Einzelkämpfer, wie man bei euch so schön sagt. Es gab zu Halloween letztes Jahr so ein Projekt mit Heinz Gröning und Horst Fryguth, das hat auch richtig Spaß gemacht aber die maskuline Figur des Ausbilders lässt normalerweise nur wenig Platz für Nebenbuhler.

„Schlechten Menschen geht es immer gut“ heißt dein aktuelles Programm. Es ist bedingt durch deine Historie schon klar welche Zielgruppe du damit erreichen willst, aber was für eine Message willst du den militäraffinen Menschen unseres Landes dadurch vermitteln?

Also zu aller erst: All meine Stand Up´s sind Comedy. Und Comedy hat ja eigentlich immer eher wenig Message. Comedy bedeutet hab Spaß, schalt den Kopf aus, lach ganz viel und geh raus und denk, wow – cooler Abend! Holger Müller hat wie du vorhin gemerkt hast auch viel zu sagen, doch Ausbilder Schmidt, hat zumindest politisch, nicht viel zu sagen. Ich will durch diese Rolle Leute unterhalten. Schlechten Menschen geht es immer gut ist dabei einfach nur ein Aufhänger. Ausbilder Schmidt ist ja auf den ersten Blick auch selber ein eher schlechter Mensch, deshalb bot sich der Name an.

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Für alle die sich gerade fragen: „wer ist dieser Holger Müller?“

Glaubt der Mensch Holger Müller bei all den „schlechten Menschen“ die uns aktuell auch in Deutschland umgeben noch ans Gute im Menschen?

Auf jeden Fall. Letztendlich wird immer das Gute siegen, denn sonst gäbe es den Menschen ja auch nicht mehr. Es sind schwierige Zeiten, weltweit, von denen auch wir Europäer jetzt erstmalig einen Geschmack bekommen. In anderen Ländern sieht das schon seit Jahrzenten anders aus, das habe ich gemerkt als ich beispielsweise in Kundus war. Ich dachte mir: was ist das für ein unfassbar schönes Land. Du könntest da eine riesengroße Tourismus-branche aufbauen, den Leuten eine Perspektive bieten, aber das Land hat einfach nicht die Chance dazu das zu nutzen. Da ist Krieg, und da war schon immer Krieg. Doch irgendwann ist dieses Land hoffentlich auch mal befriedet, irgendwann wirst du hoffentlich auch dort mal ne Generation haben die sich selber sagt: nein, lass es uns anders machen.

Dein Programm läuft bald aus. Wie geht es dann weiter mit der Figur Ausbilder Schmidt?

Also ich spiele jetzt noch ein paar Shows in Berlin, und dann kommt ja auch wieder der Karneval. Da werde ich Teile des Programms nochmal spielen, doch anschließend laufen auch schon die ersten Proben für das neue Programm „Weltfrieden – Notfalls mit Gewalt“. Gewalt ist natürlich vor allem heutzutage ein schwieriger Begriff, und ein noch schwierigeres Thema, doch der Ausbilder meint es ja im Grunde immer gut mit den Menschen, auf die er mit dem Finger zeigt. Das Programm wird sich stilistisch nicht groß von den anderen Unterscheiden, doch diesmal liegt der Schwerpunkt nicht auf den schlechten Menschen, sondern eher auf denjenigen die denken dass Sie mit ihren Blümchen und mit ihren Sandalen wirklich etwas verändern können..

Ein Schelm, wer dabei Böses denkt..

[Eine umfassendere Version dieses Interviews erscheint in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift des Studentischen Konvents der Universität der Bundeswehr]

Le american patriotism: a story about Uncle Sam – and his followers

Dear liebe Leserschaft,

bevor ich in den kommenden Blogeinträgen auf die amerikanische (Fr)esskultur, den Tinder-wahn, die Sportbegeisterung und die einzelnen Stationen unserer dreiwöchigen Reise durch die Vereinigten Staaten eingehe, möchte ich euch durch diesen Beitrag erst einmal ein Gefühl dafür vermitteln, weshalb viele Amerikaner der Meinung sind dass es beispielsweise richtig ist einen Menschen wie Donald Trump ins oval office zu wählen, private Schusswaffen auch nach den letzten Amokläufen nicht abzugeben, oder die Gesundheitsreform von Obama („Obamacare“) auf´s schärfste zu kritisieren.

Einen Großteil der kommenden Erkenntnisse habe ich einer ziemlich konservativen Familie aus Florida zu verdanken, mit der ich die erste Woche meines Roadtrips durch die Staaten verleben durfte.

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Monsieur Arone´ le Blande.

 

Zustande kam der Kontakt durch Aron Bland, einen alten US-Veteranen und Pro-MMA Fighter, den ich 2011 im Rahmen meines Afghanistan-Einsatzes kennenlernen durfte.

Wir waren in Orlando verabredet, um uns gemeinsam die „UFC on FOX“ Fightcard im Amway Center anzusehen und anschließend ein paar entspannte Tage in Florida zu verbringen.

Nachdem wir uns nach den Kämpfen astrein in Downtown Orlando abgeschossen hatten, sind wir am darauffolgenden Tag zu seiner Freundin gefahren, die etwa eine Stunde südlich von Orlando, genauer gesagt in Tampa / Florida wohnt.

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.. 1 sehr nice Gegend!

Rebecca, die besagte Freundin, ist selbstständig und arbeitet in der Immobilienbranche. Sie kauft Häuser, peppelt sie auf, und verkauft sie dann wieder. Business as usual.

Eher „unusual“ für unsere europäischen Verhältnisse ist jedoch ihr Verhältnis zu Barack Obama. Viele konservative Amerikaner wie `Becca sehen in ihm die Ausgeburt des bösen, nicht nur weil er seit Anbeginn seiner Amtszeit bemüht ist schärfere Waffengesetze zu etablieren (dazu später mehr), sondern vor allem weil er mit „Obamacare“ eine Gesundheitsreform initiiert hat, die gemäß Ihrer Aussage ausnahmslos „alle rechtschaffenden US-Bürger ihrer hart verdienten Kohle beraubt“.

So wird ein Großteil der Mehrkosten für das 2010 in Kraft getretene, neue Gesundheitssystem der USA tatsächlich durch eine Erhöhung der Einkommenssteuer finanziert. Das bedeutet grob umrissen nichts anderes als dass jeder der arbeitet, nun mehr Kohle an den Staat abdrückt, nur damit diejenigen die nicht arbeiten, versichert werden können.

Für den Durchschnittsbürger eines kapitalistischen Staatenverbundes wie der USA ist so ein Eingriff in die persönliche Finanzliquidität natürlich schon ne große Sache. (Hashtag: Sozialneid)

Wenn der werte Mr. President seinen citizens dann auch noch ihr liebstes Spielzeug, die Schusswaffe, wegnehmen will, dann kann man sich ganz gut vorstellen weshalb Obama in den Staaten derzeit so einen Shitstorm erlebt.

Viele US-Bürger folgen in puncto des „2. Zusatzartikel der Verfassung“ (Recht auf Besitz und das Tragen von Schusswaffen) einer simplen Logik:

„Warum soll ich meine legal erworbene und registrierte Waffe abgeben, während da draußen so viele illegale Waffenbesitzer, Gangs, Bösewichte und Mafia-typen ihre Waffen niemals abgeben werden? Wie soll ich mich dann vor denen schützen?“

.. Wenn man dann noch anmerkt dass es sich bei vielen der bei Amokläufen verwendeten Waffen sowieso um illegal erworbene (und somit nicht registrierte) Schusswaffen handelt, dann kann man die Argumentation derer, welche ihre Waffen legal erworben und registriert haben, schon irgendwie nachvollziehen..

Ich will damit nicht sagen dass ich deren Argumentation zustimme oder teile, doch neutrales Verständnis für ihren Standpunkt, habe ich allemal.

Aron ist bedingt durch seine militärisch geprägte Vergangenheit natürlich ein Paradebeispiel für den US-Amerikanischen Waffenkult.

Ich will die genaue Anzahl der in seinem Besitz befindlichen Schusswaffen aus Schutzgründen gegenüber seiner Person hier nicht explizit nennen, doch sagen wir´s mal so.. Als ich mit solchen Zahlen in der Schule gerechnet habe, war ich bereits in der zweiten Klasse.

Auch ganz grundsätzlich ist Aron ein gutes Beispiel für den „guten, alten, konservativen US-Amerikaner“.

Missversteht mich bitte nicht, ich hatte mit diesem Kerl eine unglaublich enge Bindung während unserer Zeit im ISAF-Einsatz, und zähle ihn aufgrund unserer gemeinsamen Interessen bereits seit längerem zu meinem engen Freundeskreis, doch dieser Typ erfüllt einfach jedes uns bekannte Klischee.

Er fährt nen dicken Chevi Silverado, fischt für sein Leben gern, kämpft mit Alligatoren, hat nen Arsch voll Waffen zuhause rumliegen, und steht wie verrückt auf Country und amerikanische Rockmusik.

Apropos Rockmusik. Ein Song ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Ein Track, den wir auf unseren täglichen Fahrten zum „liquor store“ (Schnapsladen) hoch und runter gehört haben, und der wohl wie nur wenige andere den „Spirit“ des „American way of life“ widerspiegelt.

Geschrieben hat ihn Aaron Lewis, Frontmann der Band Staind, und wenn ihr euch das Video dazu anseht, dann sagt das mehr aus über die amerikanische Lebenskultur, als ich komprimiert in 1000 Sätze packen kann.

Natürlich trifft dieses Bild nicht auf alle US-Amerikaner zu.

All den Patrioten, den Rednecks, den Militärs, und den Menschen um die es in diesem Beitrag geht bekommen jedoch alleine beim erklingen des Namens „Aaron Lewis“ schon feuchte Augen (und oftmals auch eine feuchte Hose).

Und wo wir gerade von feuchten Hosen sprechen..

Eine feuchte Hose bekam ich da drüben erstmalig in dem beschaulichen Küstenstädtchen „Sarasota“. Nicht unbedingt vor Erregung (haha!) sondern viel mehr vor blanker Angst, denn dort traf ich erstmalig auf „Hana“.

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My beloved german girl hana..

Hana ist die Mutter von Rebecca, eine temperamentvolle, im Nachkriegsdeutschland aufgewachsene ältere Dame, ultra-konservative Trump-Anhängerin, die sich ganz „Trump-alike“ ein ordentliches Vermögen erwirtschaftet hat und nun ihren Lebensabend im sonnigen Florida, direkt am „schönsten Strand der USA“ (Tripadvisor) verlebt.

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Auch das ist 1 sehr nice Gegend. (hana wohnt #davornelinks)

Mir wurde im vornherein von Aron & Rebecca erzählt dass es sich eventuell schwierig gestalten könnte, mit Hana über Politik zu reden. Mich als politik-bewussten deutschen „Staatsbürger in Uniform“ hat das natürlich nich abgeschreckt 🙂

Wohin das geführt hat, seht ihr hier…

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Hashtag: shithappens

Hana ist wirklich überzeugt von den Thesen des Herrn Trump, und zu meinem Erstaunen hatte sie dafür auch einige gute Argumente parat.

Das schlagkräftigste jener war, dass sie fast alle meine Vorurteile gegenüber Trump außer Kraft setzen konnte.

So habe ich beispielsweise angeführt, dass Trump in einer seiner Reden den körperlich eingeschränkten Journalisten Serge Kovaleski auf diffamierende Art und Weise „nachgeäfft“ hatte.

Nachdem wir die entsprechende Rede von Trump mit ein paar Interviews von Kovaleski verglichen hatten kam ich jedoch ziemlich erstaunt zu dem Schluss dass man durchaus die These vertreten kann, dass Trump einfach miss-interpretiert wurde.

Das soll auch in diesem Falle nicht heißen dass ich diese These befürworte, doch ich verstehe den Standpunkt der Trump-Anhänger.

Ähnlich verhält es sich mit den politischen Forderungen des Multi-millionärs. Trump wollte niemals „den Muslimen den Zugang zu den Vereinigten Staaten verwehren“, so wie es in unserer Medienlandschaft den Anschein hatte. Trump wollte lediglich die Einreise stärker reglementieren – ein Thema, das übrigens auch bei uns derzeit nicht nur in AfD-Kreisen heiß diskutiert wird.

All diese konstruktiven Einblicke in die Denkweise dieser Frau, und dieser Familie im Allgemeinen, haben mich zu dem Schluss kommen lassen dass „vom anderen Ende des Teiches aus“ doch vieles anders erscheint, als es in Wirklichkeit der Fall ist.

Bei all der Sympathie für Obama und meine Freunde in den Staaten dachte ich unterbewusst irgendwie immer, der „ach so national-geile“ part der Amerikaner bestünde nur aus militärgeilen Patrioten und irgendwelchen Rednecks die sich lediglich für das Befinden Ihres eigenen Landes interessieren.

Doch das Gegenteil ist der Fall, meine lieben Leser.

Gewiss nicht alles ist Silber, geschweige denn Gold was die Staaten in unserer Welt verzapfen, doch auch wenn viele von uns das nicht gerne hören, aber viele von denen da drüben, wissen viel mehr über uns, als wir über sie.

In diesem Sinne,…

God bless `merica.

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.. von Häppchen und Hass – Das waren die 29. Medientage München

Es ist schon ein komisches Gefühl, als frisch immatrikulierter Medienstudent zum ersten Mal den Hörsaal zu verlassen und in das Tagesegeschäft all derer einzutauchen, die sich irgendwann einmal selbst gesagt haben: „Irgendwas mit Medien.“

copyright: Rocky Sauer

Entsprechend aufgeregt stand ich dann auch da, inmitten einer Vielzahl von Ständen, Bühnen – und Anzugträgern.

Bevor ich mich jedoch ins Getümmel stürzen konnte, galt es erstmal das Motto der diesjährigen Medientage:

Digitale Disruption

zu dechiffrieren.

Das Programmheft gab darüber leider nur wenig Aufschluss, doch dank tatkräftiger Unterstützung der Google-Suchfunktion meines Smartphones war bereits nach wenigen Klicks klar:

Die Medienbranche steht vor einem Umbruch.

Disruption bezeichnet die Verdrängung einer etablierten Technologie oder eines Produktes durch einen meist grundsätzlich neuen Ansatz. Facebook hat durch die Zentralisierung und den Umfang seines Portfolios beispielsweise etwas geschaffen, was dieser Definition sehr nahe kommt.

In Zeiten immer stärker wachsender digitaler Konkurrenz stellen sich nun zunehmend auch die etablierten Chefetagen der Medienbranche die Frage, wie sie ihre Unternehmen für das digitale Zeitalter „Fit“ machen können. Kann sich mein Printprodukt gegen die Inhalte von Online-Plattformen durchsetzen? Und wenn nicht, wie muss ich mein Unternehmen aufstellen um trotzdem konkurrenzfähig bleiben zu können?

Mit dieser Fragestellung ist die Geschichte der Quintessenz dieser Messe auch schon erzählt.

.. nachdem ich mich auf das Thema eingestimmt hatte, war es nun doch noch mal an der Zeit das Programmheft in die Hand zu nehmen. Bei weit über 30 verschiedenen Vorträgen, Diskussionsrunden und Konferenzen musste hart separiert werden.

copyright: Rocky Sauer

copyright: Rocky Sauer

Zugegeben, die Messe an sich, war für einen Branchen-neuling kein guter Ort um sich einen Überblick über den „Krankenstand“ der deutschen Medienlandschaft zu verschaffen. Das mag zum Teil gewiss an fehlendem Fachwisssen meinerseits liegen, ist andererseits jedoch auch dadurch zu begründen dass an den Ständen der einzelnen Aussteller schlichtweg die Expertise fehlte. Gelegentlich waren aussagekräftige Vertreter der einzelnen Unternehmen oder Verbände vor Ort, doch das Gros an Expertise fand sich ein Stockwerk höher wieder, – im separaten Kongress der Messe.

15 Minuten und 30 Euro später befand ich mich dann mit einem weiteren interessierten Kommilitonen „dort oben“ und lauschte der ersten unserer Ansicht nach relevanten Diskussion des Tages.

Die Social Media Experten von „XING“ hatten geladen um gemeinsam mit weiteren Vertretern aus den sozialen Medien die Frage zu erörtern, inwiefern soziale Medien die Zukunft des Journalismus gestalten.

copyright: Rocky Sauer

copyright: Rocky Sauer

Mit Produkten wie „XING News“ oder „Twitter Moments“ kreieren die etablierten Online-Plattformen bereits erste eigene journalistische Produkte. Gemäß dem Wirtschaftsjournalisten Roland Tilchy stellt diese Entwicklung eine „logische Konsequenz der digitalen Transformation“ dar, weshalb es zukünftig die Aufgabe der printfokussierten Verlage sein wird, sich in dieses neue Gefüge zu implementieren.

Der innovative Ansatz trifft die Haltung der Branche.

Bereits nach dieser ersten Diskussion, und dem anschließenden Small Talk bei Häppchen ließ sich die Attitüde der Anwesenden deutlich skizzieren: „Social Networks represent the digital reflection of what humans do: we connect and share“. Unter einvernehmlichen Kopfnicken aller Beteiligten wurde dort im elitären Rahmen der US-Amerikanische Analyst Jeremiah Owyang zitiert.

Das „sharen“ von Information war dann auch Schwerpunkt der nächsten Diskussionsrunde.

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copyright: Rocky Sauer

Der Bayerische Rundfunk hatte geladen, um mit Vertretern aus Online-/ und Fernsehjournalismus die Frage zu erörtern: „Wer bestimmt heute die Themen in den Medien?“. Besonders heraus sticht während der Debatte die Chefredakteurin der Onlineplattform „Buzzfeed“, Juliane Leopold.

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quelle: flickr.com

Ihrer Meinung zufolge ist die Interaktion zwischen Sender und Rezipienten ein zentrales Merkmal des Zukunftsjournalismus. Sie selbst pflege „engen Kontakt“ zu ihren Lesern, stelle jedoch eine vermehrte Verrohung der Leserschaft im Allgemeinen fest. Die genannte Verrohung ist im Folgendem auch zentraler Aspekt der Diskussion.

So lässt Dr. Kai Gniffke, Chefredakteur ARD Aktuell, verlauten: „Wenn etwas gut ist, dann wird es nicht kommentiert. Es wird nicht honoriert. Kund getan, wird meist Kritik“. Diese Aussage trifft auf breite Zustimmung im Panel. Von „Lügenpresse“ und dadurch einhergehender „Online-Hetze“ ist oftmals die Rede, wenn ein Produkt politische Inhalte thematisiert.

Doch wie können wir das Vertrauen in die massenmediale Berichterstattung zurückgewinnen?

Auf diese Frage blieben auch die Experten auf der Bühne eine klare Antwort schuldig. Für die Zukunft wünscht sich Dr. Kai Gniffke immerhin „mehr Vertrauen in die moralischen und ethischen Grundsätze des Journalismus.“ Gelingt es den öffentlich-rechtlichen Sendern dieses Vertrauen zu etablieren, dann habe man auch „eine Zukunft, auf welcher Plattform auch immer“.

Viele derer Plattformen, auf welchen sich ein öffentlich-rechtlicher Sender der Couture ARD gerne etablieren würde, lassen sich unter dem Begriff „Social Networks“ zusammenfassen.

Im dritten – und für mich letzten – Panel des Tages, standen genau diese im Fokus.

„Social Networks als Geschäftsgrundlage?“

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copyright: Rocky Sauer

Zu diesem Thema interviewt wurde mit Jens Uwe Bornemann ein „seiner Zeit Vorausdenker“ (Aussage des Moderators Daniel Budiman). Der Bertelsmann-Verlag preist Bornemann als einen Menschen an, der „digitale Trends aufspürt, bevor andere daran denken“.

– Gemäß diesem Credo ließ sich Bornemann auch nicht lange um große Thesen bitten:

„Es wird ein Marktumbruch folgen. Jeder, der seine Ausrichtung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in den digitalen Markt verlagert hat, wird in 2 Jahren vom Markt verschwunden sein.“

Harsche Worte, die meinen medialen Wissenshorizont zum aktuellen Zeitpunkt jedoch zugegebenermaßen überschreiten. So lausche ich zwar bedächtig weiter den Ausführungen der Protagonisten, stelle jedoch mehr und mehr fest, dass der Input an neuem Wissen meinem Fassungsvermögen für einen Tag genüge getan hat.

Und so endet für mich der informative Part der 29. Medientage München.

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quelle: medientage.de

Was folgt, sind mehr oder weniger gute Drinks in einer Welt, in der ich erstmal ankommen muss.

Abschließend unterhalte ich mich mit einem Kommilitonen der Uni, der derzeit an seiner Master-arbeit schreibt.

Er sagt: „Du musst das alles nicht verstehen. Du musst nur den Willen haben, hier ein ein paar Jahren auch im Anzug zu stehen. – mehr, wollten die hier anfangs auch nicht.“

Amen.