Mein Leben als Student an einer Bundeswehr-Uni

Der gemeine Student hat es schon nicht leicht. Er ist abwechselnd gelangweilt und überfordert, betrunken und verkatert – und meist hochgradig pleite.

Heute (wir schreiben den 04.05.) werden die meisten Betroffenen noch über diese Pauschalisierung lachen können, doch erfahrungsgemäß sieht das in drei Wochen schon ganz anders aus.

Bis das (finanziell) schmerzhafte Ende des Monats bevorsteht wird die Zeit für euch die ihr euch angesprochen fühlt aber um einiges lebenswerter sein als das, was der Ottonormalbürger so unter „Leben als Mittzwanziger“ versteht.

Ihr könnt rumrennen wie ihr wollt, vor euren Eltern mit Fachbegriffen um euch schmeißen, braucht keinen Krankenschein falls ihr morgens um 12 noch nicht wieder gerade aus gucken könnt, und das Beste: niemand erwartet von euch dass ihr während eurer Studienzeit sesshaft werdet.

Viele meiner Freunde studier(t)en in Regensburg, Dresden oder Berlin und zelebrierten diesen Lebensstil auf eine Art und Weise, die für mich jahrelang den Himmel auf Erden darstellte.

Ich hatte damals als „normaler“ Soldat meinen geregelten Tagesablauf und nach ein paar Wochen der Abstinenz auch immer die Möglichkeit mal ein langes Wochenende anzusetzen.

An diesen langen Wochenenden hat es mich meist entweder zu Blasi nach Regensburg oder Plummi nach Berlin verschlagen. Während man in der Berliner Studentenszene so ein bisschen seine revolutionäre Ader ausleben konnte und sich bei irgendwelchen Demos in Kreuzberg getroffen hat..

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.. waren wir in Ratisbona meist bei irgendwelchen Hippie-Partys im legendären „Gesslerheim“ zu Gast und bewegten uns in Kreisen, in denen sich auch etablierte Rockstars merklich wohlfühlten.

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Auf ein Donaubierchen mit: Yannis Philippakis, FOALS

Seit letztem Jahr nun gehöre ich selber zu denen, von denen niemand mehr erwartet in den nächsten Jahren sesshaft zu werden.

Ich studiere „irgendwas mit Medien“ an der Universität der Bundeswehr in München.

Vieles hier bei uns auf dem Campus erinnert mich doch sehr an die Zeit die ich als Gast an zivilen Universitäten verbracht habe.

Die Wohnheime zum Beispiel. Wir leben hier größtenteils ziemlich entspannt auf 15-20 m² großen Einzelbuden, haben unser eigenes Bad und große, sog. „Wohnebenen“ auf denen sich neben den obligatorischen Küchen und so einer Art Wohnzimmer mit überdimensionalen Sofas auch das eigentliche soziale Leben abspielt. Hier trinkt man Abends sein Bier, zockt, oder zieht sich gemeinsam die neue Folge vom Bachelor rein.

Das Selbstverständnis als Student ist ein weiteres Beispiel dafür, dass auch wir im Grunde nur ganz normale Studenten sind.

Wir feiern WG-Partys..

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Wir verpassen Vorlesungen..

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Morgens um halb drölf in Deutschland

Und wir hängen uns auch wieder Poster an die Wand..

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😉

.. All diese Annehmlichkeiten, die Freiheiten und die kurzen Wege auf dem Campus machen das Studium an der Universität der Bundeswehr in München doch schon irgendwie erträglich.

Wie grundsätzlich alles im Leben hat aber auch diese Medaille seine zwei Seiten.

Im Kontrast dazu steht das Trimesterstudium, diverse militärische Verpflichtungen und in letzter Instanz auch der Dienstgrad auf der Schulter.

Auf gut Deutsch heißt das:

Soviel Student wir auch sein mögen, erstmal sind wir alle Soldat.

.. Und so findet man sich auch als von Leistungsdruck geplagter Student regelmäßig in irgendwelchen militärischen Pflichtveranstaltungen, bei Schießübungen oder Leistungsmärschen wieder.

Viele zerbrechen daran.

Über 1/3 aller Studenten brechen das Studium vorzeitig ab oder werden exmatrikuliert. Für fast alle Kommilitonen hat dies zur Konsequenz, dass neben den Annehmlichkeiten des Studentenlebens auch die geplante Karriere als Offizier an diesem Punkt sein Ende findet.

Für einige wenige Kameraden ist dies regelmäßig Anlass genug, um sich das Leben zu nehmen.

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Aus Respekt vor den betroffenen Kameraden und ihren Hinterbliebenen möchte ich dieses dunkle Kapitel unserer Universitätsgeschichte auf dieser Plattform nicht weiter breit treten, doch wenn gestandene Männer die durch ihre militärische Ausbildung große Entbehrungen gewohnt sind aufgrund des hier herrschenden Leistungsdrucks keinen anderen Ausweg als den Suizid finden, dann darf man dies bei einem Artikel über die „Uni-Bw“ auch nicht einfach außen vor lassen.

Ich bin inzwischen auch alt genug um zu wissen dass es für solche tragischen Schicksale keinen „Schuldigen“ gibt, doch es kotzt mich ungemein an dass junge Menschen, Kameraden, Söhne, Väter und Freunde diesen Weg wählen weil ihnen bedingt durch die drohende Exmatrikulation jegliche Perspektive entzogen wird.

Bevor man sich also als „nicht-Offizier“ in der Truppe über den jungen Oberleutnant lustig macht, oder als ziviler Student über unsere „üppigen Lohnzettel“ lästert sollte man sich selber erst mal die Frage stellen ob man denn schon ein mal 40 ECTS-Punkte in 2 Monaten eingefahren hat. Ob man als junger Mensch jemals der Versuchung dieser Freiheiten ausgesetzt war, oder ob es denn nicht einfach mal besser wäre die Fresse zu halten weil man keine Ahnung hat.

Jeder hat sein eigenes kleines Päckchen zu tragen.
– jeder Student, jeder Soldat, jeder „Zivilist“.

Was uns auf beruflicher Ebene jedoch alle eint, ist das Streben nach höherem. Nach einem höheren Gehalt, höherer beruflicher Anerkennung und höherer gesellschaftlicher Akzeptanz.

Mit diesem Wissen irgendwo im Hinterkopf verpackt, verhalten wir Studenten uns auch nicht anders als jeder Maurer, Maler oder Manager.

Wir stehen morgens auf, und kommen unseren Verpflichtungen nach. Wir tun etwas, um etwas zu bekommen. Wir reizen unsere gegebenen Freiheiten aus – genau wie ihr auch.

Eigentlich sind wir doch alle gleich, oder?

 

 

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Was mir Thees Uhlmann über mich und mein Leben verraten hat.

Prolog

Vor ein paar Jahren war ich mit meinem Kumpel Plummi bei nem Konzert von Noel Gallagher in der Max Schmeling Halle. Für meine Zeit in Berlin war das keine Seltenheit, irgendwo haben wir uns eigentlich immer rumgetrieben.

Meist hat man bei kleineren Konzerten oder in den einschlägigen Clubs der Stadt auch irgendwelche Menschen getroffen, die man außerhalb der Grenzen Berlins wohl ganz gerne als Promis bezeichnet. Arnim von den Beatsteaks wird man beispielsweise bei jedem Konzert von TV On The Radio treffen, mindestens einen der Jungs von K.I.Z. trifft man unabhängig vom Thema grundsätzlich bei jeder Demo auf dem O-Platz und wer das Velvet in Neukölln kennt, der kennt wohl auch MC Bomber (unabhängig davon, ob man seine Musik kennt).

Als ich mich mit Plummi vor dem Gallagher Konzert an der Schönhauser Allee getroffen habe, hatten wir noch genügend Zeit um uns ein Bierchen in ner alten Eckkneipe zu gönnen.

Mit Plummi haben solche Kneipenbesuche immer besonders viel Spaß gemacht denn neben der geteilten Passion für die Musik (ich aus der Sicht des DJ´s, er aus der Sicht des Bassisten einer Stoner Rock Band) hatten wir damals auch oft die gleichen (meist selbstverschuldeten) Probleme mit dem anderen Geschlecht.

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Nach den ersten paar Hülsen die wir uns auf der Terrasse des Cafe Meta in Prenzelberg gegönnt hatten, gesellte sich dann Thees Uhlmann mit seiner Begleitung an unseren Tisch. Ob die anderen alle voll waren oder er unser Gespräch so einladend fand weiß ich nich mehr. Was ich jedoch noch ziemlich genau weiß ist, dass ich auf Thees zu dieser Zeit nur wenig bock hatte.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt zwei Wohnsitze. Zum einen den in Berlin, und dann noch einen in Dresden. Während ich unter der Woche meist in Berlin war und das Leben als „vom militärischen Dienst freigestellter Offizieranwärter“ genoß, hab ich die Wochenenden größtenteils im alternativen Viertel der Landeshauptstadt Sachsen´s verbracht.

Alles was ich während dieser Zeit auf die Reihe bekommen musste war mich auf mein Abi vorzubereiten, und mich währenddessen nich totzusaufen. Beides hatte ich soweit ganz gut im Griff, deshalb konnte ich die großzügige Freizeit auch für allerlei Angelegenheiten nutzen, für die normalerweise nie ausreichend Zeit war. Von ausgedehnten DJ-Tourneen durch halb Deutschland, über halbe Weltreisen, bis hin zur Wiederbelebung meines totgeglaubten Liebeslebens war das rückblickend wohl die größte Freiheit die ich bis dato während meiner Militärdienstzeit verleben durfte.

Das klingt nach nem ziemlich geilen Leben, und das war es auch.

Eines Abends dann in Dresden stand mal wieder ein Auftritt meines DJ-Ego´s „Alexander Supertramp“ im L´Hibou an.

Vor den Gig´s hab ich mich meistens mit dem DJ getroffen der mich immer als „Special Guest“ für seine Partys im L´Hibou gebucht hatte. Genau wie Plummi ist auch Markus ein Mensch mit dem man tagelang in verrauchten Kneipen sitzen und über das Leben philosophieren kann. Insofern ich mich recht entsinne hatten wir das auch dieses Mal getan bevor wir anschließend gemeinsam die Studenten der Stadt zum kollektiven ausflippen animiert haben.

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Am Tag nach diesem Abend (und diesem Bild) erlitt ich den ersten und bis heute einzigen Migräneanfall meines Lebens.

– Mein Schädel hat sich quasi versucht selber zu erschlagen.

Ich frage mich noch immer was während dieser eigentlich so geilen Zeit schief gelaufen sein mag und was schlussendlich dazu geführt hat dass ich mich am nächsten Tag freiwillig selber in die Notaufnahme habe einliefern lassen.

Das Leben so wie ich es damals kannte war gut zu mir, und wie sich herausstellen sollte war auch dieser grässliche Anfall von Migräne nur der Nährboden für eine weiterhin (vermeintlich) rosige Zukunft.

Das Kapitel Nicole

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Ich hatte mich in meine Ärztin verliebt.

In eine unbeschreiblich charismatische und attraktive norddeutsche Frau. Eine von der Sorte bei der man sich als Kerl ernsthaft fragt, wie die eigentlich so schön und intelligent zugleich sein kann.

Mir war bewusst dass ich für ne Neurologin ihrer Klasse jetzt nich so der große Fang bin, doch mit etwas Geduld (und nach der ein oder anderen rhetorischen Perle) hatte ich sie tatsächlich soweit dass sie sich mal mit mir trifft.

Ehrlich gesagt, sie stand sehr auf Casper. Und der hat kurz nach unserem Kennenlernen im Krankenhaus nen kleinen Club-Gig in Dresden gespielt. Nen viertel Monatslohn (scheiß Schwarzmarkt) und drei Telefonate später war das Date dann in trockenen Tüchern.

Wir hatten uns vor dem Konzert kurz im Thalia, ner netten Bar in der Dresdner Neustadt getroffen um erstmal warm zu werden. Nachdem wir ziemlich schnell gemerkt haben dass wir auf ner halbwegs gleichen Welle schwimmen verlief der Rest des Abends dann in etwa so, wie all die darauffolgenden Dates:

Wir waren Fahrrad fahren, Bier trinken, Landschaften erkunden, Hippie-Dinge tun. Wir haben uns geküsst, und ich wusste damals nicht was besser zu meinem Lebensstil hätte passen können als Mademoiselle Nicole.

Genauso gerne wie sie mich mit ihrem Lächeln verzaubert hat, hat sie auch Casper zitiert..

„Mein Kreis bleibt klein, bis an den Tag an dem ich geh´“

Was für Sie der Benjamin aus Bielefeld war, wurde für mich während dieser Zeit mehr und mehr der Thees aus Hemmoor. Ich kannte die Musik von Thees Uhlmann schon länger doch seitdem ich Nicole kennengelernt hatte, war mein Leben eigentlich genau so wie die alte Nordmanntanne es in seinen Liedern immer besungen hatte.

„Meine Hände sind ständig in Bewegung, solang ich denken kann bin ich nervös, das liegt daran dass ich hoffe.. dass dir nichts zustößt..“
– Thees Uhlmann

Unfassbar wie naiv ich war. Naiv zu glauben dass nach dem viel zu heißen Sommer kein kalter Herbst mehr folgen kann. Und so kam es, wie es kommen musste.

„Lieber Dennis, es tut mir leid dass ich mich gestern nicht gemeldet habe. Es war nich geplant, doch ich habe gestern einen alten Freund getroffen. Wir können uns nicht wieder sehen.“

Kapitel 2: Was mir Thees Uhlmann über mich und mein Leben verraten hat.

Zwei Wochen nach dem abrupten Abschied von Nicole saß ich mit Plummi, Thees Uhlmann und seiner Begleitung im Cafe Meta in Prenzelberg. Eigentlich wollte ich mit Plummi ein Bier trinken, über die scheiß Gefühle der letzten Wochen reden, und das Ganze mit einem Konzert des Herzschmerz-spezialisten Noel Gallagher abrunden.

Stattdessen saß ich nun bei Bier Nummer 4 in einer Kneipe und hatte ausgerechnet den Menschen neben mir sitzen der mir den Soundtrack zu einer Zeit geliefert hat, die ich am liebsten für immer und ewig aus meinem Gedächtnis gelöscht hätte.

Ich: „Hey Thees, wann gibts´n eigentlich mal wieder ne neue Platte von dir?“

T: „Naja, erstmal mach ich mein Buch fertig“

I: „Was´n für ein Buch?“

T: „Naja, hoffentlich ein Gutes“

I: „Witzbold. Wusste garnich dass du schreibst.. Um was geht´s denn?“

T: „Naja, grob gesagt um das was man vor dem Tod noch so alles machen will. Irgendwann isses ja auch mal so weit, und wenn man das dann realisiert fängt man schon an sich selber mal Fragen zu stellen. Ob man jetzt alles richtig gemacht hat, oder vor allem: ob man die restliche Zeit so weiter machen will“

Die restliche Zeit so weitermachen?

Ehrlich gesagt hat mich das ein bisschen ins Grübeln gebracht..
Kann denn das Leben nur aus dem bestehen was man gerne macht?

Der reiche Pöbel wird das wahrscheinlich bejahen, doch zu denen die sich über Geld & Liebe keine Gedanken mehr machen müssen gehöre ich nich, und werde ich hoffentlich nie gehören.

Thees hat in einem seiner Lieder mal gesagt: „Das Leben ist wie Feuer, es brennt und es wärmt“.

Ich hab mir den dazugehörigen Song in den darauffolgenden Tagen oft angehört und ich bin heute dankbar dafür, dass damals alles so war – wie es war.

Ohne das Brennen von damals wüsste ich heute nicht, dass man lieber nicht zu nahe an die Flamme geht.

Herdplattentest für Erwachsene.

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